Im Sommersemester 2006 erproben wir in allen vier Jahrgangsstufen der Fachakademie sowie im zweiten Jahr der Berufsfachschule in den Lehrveranstaltungen zum Gesprächs- und Verhandlungsdolmetschen den Einsatz eines Portfolios. Dieses Portfolio für das bilaterale Konsekutivdolmetschen soll nach Abschluss der Testphase am SDI weitergeführt und auch anderen Lernenden und Instituten, die sich mit diesem Modus in einer seiner Erscheinungsformen befassen, zur Verfügung gestellt werden. Es eignet sich für das Gesprächs- oder Verhandlungsdolmetschen (in der Wirtschaft, der Fachkommunikation, der Politik oder der Diplomatie), das Community Interpreting oder auch das Dolmetschen für Behörden und Gerichte.
Ein Portfolio ist eine Mappe, in der Lernende ihre Erfahrungen und Leistungen reflektieren und dokumentieren und ihre Lernziele festlegen und deren Erreichung überprüfen können.
Konkret bietet das Portfolio für das bilaterale Konsekutivdolmetschen den Studierenden folgende Möglichkeiten:
- Es liefert Kategorien von Beschreibungen, anhand derer ihnen das, was Sie beim Dolmetschen tun, bewusst werden soll.
- Es enthält Checklisten mit Kriterien, anhand derer sie lernen können, ihre Dolmetschkompetenz bzw. die jeweiligen Teilkompetenzen besser einzuschätzen.
- Es bietet ihnen die Möglichkeit, ihre eigene Einschätzung mit der Beurteilung durch ihre Lehrerinnen und Lehrer zu vergleichen.
- Es erlaubt ihnen, selbst festzulegen, was sie als Nächstes lernen oder worauf sie sich besonders konzentrieren möchten. Es macht sie damit eigenständiger, motivierter und selbstsicherer.
- Es bietet ihnen Raum, um das, was sie in einem Kurs oder Ihrer Ausbildung gelernt haben, festzuhalten, aber auch um die wichtigen Erfahrungen zu dokumentieren, die sie außerhalb einer Schule oder Bildungseinrichtung mit dem Dolmetschen gemacht haben.
- Es regt sie an, Arbeiten, die sie im Zusammenhang mit Dolmetschübungen oder -einsätzen selbst erstellt oder als Informationsmaterial verwendet haben, zu sammeln (wie zum Beispiel Glossare).
- Es enthält zwei Raster, das Dolmetschprofil und die Globalskala, anhand derer sie Interessierte in knapper Form darüber informieren können, welches Kompetenzniveau sie erreicht haben.
Das Portfolio will damit einerseits einen Beitrag zu einer gezielteren Evaluierung von Dolmetschleistungen, andererseits zur Entwicklung stärkerer Lernerautonomie im Dolmetschstudium leisten.

