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Prof. Dr. Günther Haensch †

In memoriam


Prof. Dr. Günther Haensch ist am Donnerstag, 10. Mai 2018, verstorben.

Prof. Dr. Günther Haensch wurde am 22.04.1923 in München geboren. Er war im Zweiten Weltkrieg ab 1941 zunächst im Reichsarbeitsdienst, dann bei der Wehrmacht als Übersetzer, Dolmetscher und Sprachlehrer für Französisch eingesetzt.

Nach seiner Gefangenschaft in einem Militärinternierungslager in der Schweiz studierte er ab Juni 1945 am Dolmetscherinstitut der Universität Genf und legte 1946 die Diplomprüfung als „Übersetzer, Dolmetscher und Konferenzdolmetscher“ für Deutsch, Französisch und Englisch, 1947 auch die Zusatzprüfung für Spanisch, ab.

Ab Juli 1947 studierte er Romanistik zunächst an der Universität Barcelona, danach in München, wo er 1954 an der LMU in romanischer Philologie und Geschichte promovierte und später auch als Lehrbeauftragter für Französisch, Spanisch und Katalanisch tätig war.

1951/52 war er zusammen mit acht weiteren Sprachmittlern (so lautete die vor dem Krieg eingeführte Bezeichnung), Hans Dierssen, Wolf Friederich, Ernst Kenter, Klaus Knipping, Leslie Owen, Jacques Portevin, Dr. Heinrich Prichistal und Hans Wald, maßgeblich an der Gründung des Sprachen- und Dolmetscher-Instituts München beteiligt. Zwischen 1952 und 1967 war er dessen stellvertretender Direktor und, nach dem Eintritt von Dr. Paul Schmidt, dem ersten Rektor und späterem Direktor, in den Ruhestand, von 1967 bis 1969 dessen Direktor. In diesen 17 Jahren übte er eine vielseitige Lehrtätigkeit am Institut aus.

Sehr stolz war er darauf, 1952/53 als Erster Chefdolmetscher der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl gearbeitet zu haben. Als freiberuflicher Dolmetscher war er von 1952 bis 1966 auf zahlreichen internationalen Konferenzen tätig und dolmetschte u.a. für Adenauer, Schumann, Abs, de Gasperi, die argentinischen Staatspräsidenten Aramburu und Frondizi, Marschall Juin, Strauß, Ullastres, Conde de Vallellano oder Fraga Iribarne.

Seine akademische Qualifikation schloss er 1967 mit der Habilitation an der LMU in romanischer Philologie ab.

1968 nahm er den Ruf an die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg als ordentlicher Professor an und gründete und leitete bis 1972 das erste Sprachenzentrum an einer bayerischen Hochschule.

1973 wurde er zum ordentlichen Professor für angewandte Sprachwissenschaft (Romanistik) an der Universität Augsburg, Gründer und erstem Leiter des dortigen Sprachenzentrums berufen.

Prof. Haenschs Leidenschaft waren Wörterbücher, die er mit vielen Partnern zusammen erarbeitete. Sein Schwerpunkt war dabei die spanische Sprache in ihren vielfältigen Ausprägungen in Spanien und in Südamerika. Dies wurde auch wissenschaftlich gewürdigt: So war er korrespondierendes Mitglied der Real Academia Española, der Academia Porteña del Lunfardo, Buenos Aires, der Sprachakademien von Perú, Chile, Bolivien, Kolumbien, El Salvador, der Academia de Ciencias von Santo Domingo und der Academia Norteamericana de la Lengua Española (N.Y.). Die Universität Salamanca verlieh ihm den internationalen Hispanistenpreis „Elio Antonio de Nebrija“ (1995), die Real Academia Española 2001 den Preis „Nieto López“. Er wurde mit dem Bundesverdienstkreuz und mit dem Komturkreuz des spanischen Ordens Isabel la Católica ausgezeichnet. Die Katholische Universität von Santiago de los Caballeros (Dominikanische Republik) ernannte ihn zum „profesor honorario“.

40 Jahre lang, von 1956 bis 1996, war er Mitherausgeber der Zeitschrift Lebende Sprachen, zunächst gemeinsam mit Dr. Alexander Lane, später mit LRDir Friedrich Krollmann. Er war Sprecher des Gründungsausschusses des Deutschen Hispanistenverbandes und leitete ihn von 1967 bis 1971 als Vorsitzender. Er war Gründungspräsident der Internationalen Vereinigung „Sprache und Wirtschaft“ und Ehrenmitglied dieser Vereinigung und des Hispanistenverbandes.

Die Hochschule und das SDI verlieren mit Prof. Haensch den letzten der Gründer, die die Entwicklung des SDI in den ersten Jahrzehnten maßgeblich geprägt hatten.
Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

München, den 15. Mai 2018

Prof. Dr. Felix Mayer
Präsident der Hochschule und
Direktor des SDI München
Prof. Dr.-Ing. Dieter E. Liepsch
Vorsitzender des Kuratoriums

16.05.2018

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LETZTE AKTUALISIERUNG 23.4.2018