MA Konferenzdolmetschen

Dolmetschen pour la cause

Im Frühjahr 2011 bekamen wir eine E-Mail von George Drummond, der uns fragte ob wir Lust hätten, zwei Tage auf einer Mitgliederversammlung des Sahel e.V. ehrenamtlich zu dolmetschen. Um was es ginge? Wir trafen uns mit George in einem kleinen italienischen Restaurant in München, wo er uns die Hintergründe der Veranstaltung und des Vereins näherbrachte. Eine deutsche Freundin von ihm habe ihr Hab und Gut in Deutschland verkauft und sei nach Ouagadougou in Burkina Faso gezogen, um dort ein Waisenhaus zu gründen. Aus dem Waisenhaus sei ein riesiger Komplex an Einrichtungen für Waisen, Behinderte, misshandelte Frauen und Kinder geworden. Die Konferenz solle am 14. und 15. Mai stattfinden. Wir erfuhren, dass zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins die Leiter zweier Einrichtungen in Ouagadougou eingeladen seien und wir Dolmetscher benötigt würden,  um die Kommunikation zwischen Deutschen und den frankophonen Afrikanern zu erleichtern. Wir sagten gerne zu.

Die Vorbereitung auf die Mitgliederversammlung war äußerst vielfältig. Wir hatten das Programm mit den Tagesordnungspunkten bekommen, auf dem unter anderem die Vorstellung verschiedener Geschäftsberichte, des Jahresabschlusses 2010 und des Haushaltsplans aufgeführt waren. Auch der Abschlussprüfer und der Kassenprüfer sollten ihre Berichte vorlegen und der Vorstand entlastet werden. Am zweiten Tag wollte man über Entwicklungsmöglichkeiten der Einrichtungen vor Ort und die derzeitige Situation diskutieren.

Der Kontakt mit Sahel e.V. verlief reibungslos, wir bekamen als Vorbereitungsmaterial einige Unterlagen zugeschickt, unter anderem den Jahresbericht 2010 von Katrin Rohde, der Gründerin der Einrichtungen in Ouagadougou. Zudem hatte uns George Drummond das von Katrin Rohde verfasste Buch „Mama Tenga – mein afrikanisches Leben“ mitgebracht, das sehr emotional geschrieben und sehr informativ war. Allerdings blieben uns die Berichte des Kassenprüfers und des Abschlussprüfers vorbehalten und wir konnten uns auf diesen Teil der Konferenz nur vage vorbereiten. Auf der Internetseite undefinedwww.sahel.de fanden wir jedoch zusätzlich viele hilfreiche Informationen.

Am Samstag, den 14. Mai, trafen wir im Konferenzzentrum in Pöcking mit unserem Flüsterkoffer, den wir zuvor bei Brähler in Feldkirchen abgeholt hatten, ein und begannen mit unserer Arbeit. Im 30-Minutentakt wechselten wir uns beim Dolmetschen ab. Die Tische im Konferenzraum waren kreisförmig angeordnet und die Teilnehmer sprachen ohne Mikrofon, weshalb wir uns mit unseren Flüstertüten im Raum bewegen mussten. Die Mitgliederversammlung war sehr interessant, wobei der Bericht des Kassenprüfers eine sehr haarige Angelegenheit war und die Vorstellung der Jahresbilanz mit Zahlen und Daten gespickt war. Auch die beiden Burkinabé, die aus dem fernen Afrika angereist und zum ersten Mal in Deutschland waren, hielten eine bewegende Rede, die zu dolmetschen aufgrund des starken afrikanischen Akzents nicht so leicht war.

Für Sonntag, den 15. Mai, war die Diskussionsrunde angesetzt. Es wurde eifrig und teilweise auch hitzig debattiert, sodass wir manchmal Schwierigkeiten hatten, alles zu dolmetschen und die Redner etwas einbremsen mussten. Es wurden viele Ideen vorgetragen, wie zum Einen die Arbeit vor Ort in Ouagadougou, zum Anderen die Sammel- und Spendenaktionen hier in Deutschland und in anderen Teilen der Welt effizienter gestaltet werden könnten.

Die Veranstaltung war nach Ansicht der Teilnehmer ein schöner Erfolg, zumal die meisten noch nie mit den Menschen aus Ouagadougou in Berührung gekommen waren und so tatsächlich neue Kontakte geknüpft werden konnten und sich viele endlich konkrete Vorstellungen über den Sinn ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bei Sahel e.V. machen konnten. Auch für uns war die Konferenz nicht nur in beruflicher Hinsicht, sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene bereichernd. Wir waren vom Engagement und der Hingabe von Katrin Rohde, aber auch von den anwesenden Leitern eines Waisen- und eines Mädchenhauses sehr beeindruckt und freuten uns, unseren Teil zum Gelingen der Mitgliederversammlung beitragen zu können.

Text: Solveig Rose und Thibaut Mollard, Studierende im MA KoDo, 2. Semester

KoDos zu Besuch in Brüssel

Gruppenbild im Plenum

Eine Gruppe von Studierenden des Masterstudiengangs Konferenzdolmetschen besuchte vom 15. bis 17. November 2010 die Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommision (früher bekannt als undefinedSCIC) und den Dolmetschdienst des Europäischen Parlaments. Mit diesen Study Visits werden den zukünftigen Absolventen die Arbeitsweise des Konferenzdienstes und die Anforderungen an mögliche Bewerber näher gebracht.

Die Reisegruppe hatte viele Gründe zum Staunen: Nachdem der Sonntag genutzt wurde, um die Stadt und ihre kulinarischen Spezialitäten wie Pommes Frites, Waffeln oder Bier kennen zu lernen, wurde am Montagmorgen hart gearbeitet. Am Vormittag stand die Einführung in den Dolmetschdienst der Kommission und des Gerichtshofs der Europäischen Union auf dem Programm, am Nachmittag wurde das Parlament vorgestellt.

Konferenz mit Lech Walesa und Hans-Dietrich Genscher

Es galt, eine Reihe von Zahlen zu verdauen, mit denen Dolmetscher ja bekanntlich immer ihre Probleme haben. 500 fest angestellte Dolmetscher für die Kommission, etwa 430 für das Parlament, 70 für den Gerichtshof, dazu täglich noch einmal etwa 400 Selbstständige von einer Liste von etwa 2700 zugelassenen Freelancern. Damit gilt der Dolmetschdienst der EU als der größte der Welt.

Tags darauf nutzten die Studierenden die einmalige Möglichkeit, in die Praxis der EU-Dolmetscher einzutauchen. Andrea Seidenstücker, Dolmetscherin in der deutschen Kabine im Parlament, fand eine Auswahl, die die Bandbreite der Tätigkeiten deutlich machte: Am Vormittag belegten zukünftigen Absolventen stumme Kabinen in der Sitzung eines parlamentarischen Ausschusses, nachmittags dann eine besondere Ehre: Auch in einer Konferenz zum Thema Solidarität mit Lech Walesa und Hans-Dietrich Genscher wurden den jungen Dolmetschern freie Kabinen zur Verfügung gestellt.
In verschiedenen Ausschusssitzungen in der Kommission war tags darauf – unter den Fittichen von SCIC-Dolmetscherin Gudrun Rohr – zu erleben, dass die Arbeit der Dolmetscher auch weniger glamourös sein kann. Es wurden Themen besprochen vom Klimawandel über Hygienevorschriften bis hin zur Zollabfertigung.

Es werden dort aber nicht nur Dolmetscher zur Verfügung gestellt. Die GD Dolmetschen der Kommission verfügt über ein eigenes Konferenzzentrum, in dem der Großteil der Sitzungen abgehalten wird. Auch dieses Zentrum durften die Münchener und Germersheimer Dolmetscher gründlich unter die Lupe nehmen, einschließlich der (von allem am wenigsten beeindruckenden) Kantine.

KoDo-Studierende 2010/11

Der bereits im Vorfeld oft erwähnte SCIC-Test wurde uns am letzten Tag von Carlota Jovani, Chefin der deutschen Kabine bei der Kommission, näher erläutert, und hier wurde auch mit einem Vorurteil aufgeräumt: Wer „nur“ klassische EU-Sprachen wie Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch kann, ist ebenso willkommen wie die „Exoten“, die beispielsweise ein lettisches, bulgarisches oder polnisches C aufweisen können; momentan besteht sogar ein höherer Bedarf an altgedienten Sprachen, da viele Dolmetscher der ersten Generation jetzt in Rente gehen. Französisch und Englisch wird in der Kombination allerdings erwartet; weitere C-Sprachen können im Laufe der Zeit hinzugenommen werden. Aufgrund des immensen Kosten- und Personalaufwands kann der Test aber nur zweimal im Jahr mit einer stark limitierten Anzahl an Kandidaten durchgeführt werden. Eine Bewerbung schadet dennoch nicht.

Zu guter Letzt möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass die Atmosphäre in unserer kleinen Gruppe – sechs Studierende und Frau Prof. Dr. Gross-Dinter als Begleitperson – stets sehr angenehm und stressfrei war, und dass das kleine vietnamesische Restaurant nahe der Bourse sich hervorragend zum gemeinsamen Abschlussessen eignet. Fazit: Gelungen!

Rafael Adam & Conny Dickow

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aktualisiert am 17.02.2012
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