MA Interkulturelle Kommunikation

Besuch aus Brüssel - ein Interview mit Gerald Dichtl

Interview: Ariane Gelhar (MA IKM)

Am 16. und 17. Mai 2011 war Gerald Dichtl, Dolmetscher bei der Generaldirektion Dolmetschen der EU-Kommission, zu Gast am SDI. Er trainierte mit den Studierenden des MA Konferenzdolmetschen und besuchte die Montagskonferenz, die von den Studierenden des Master-Studiengangs Interkulturelle Moderation und mehrsprachige Kommunikation gemeinsam mit dem MA KoDo organisiert wird. Im Gespräch mit Ariane Gelhar, Studierende im MA IKM, berichtet er über seine Tätigkeit und gibt Tipps für angehende Dolmetscher.

Am 16. und 17. Mai 2011 war Gerald Dichtl, Dolmetscher bei der Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommission, bei uns im Hause. Im Rahmen des Programms „Pädagogische Unterstützung“ für Hochschulen hielt er intensive Trainingseinheiten mit den Studierenden des MA-Studiengangs Konferenzdolmetschen (KoDo). Herr Dichtl war auch Ehrengast unserer Montagskonferenz am 16. Mai, die als Symposium über Flüchtlingspolitik in der EU gestaltet wurde. Vorträge über verschiedene Aspekte der Politik und die von Flüchtlingen besonders betroffenen Regionen wurden von den Studierenden des MA Interkulturelle Kommunikation und mehrsprachige Moderation (IKM) gehalten, während die MA-KoDo Studierende für die Verdolmetschung ins Englische, Deutsche, Französische, Italienische und Spanische sorgten. Die Resonanz war durchaus positiv, und Herr Dichtl merkte vor allem an, dass die Vorträge und der Ablauf der Konferenz sich gar nicht so sehr von Symposien und Tagungen in der Europäischen Kommission unterschieden. Im folgenden Gespräch mit Herrn Dichtl erfahren Sie mehr über die Generaldirektion Dolmetschen, ihre Tätigkeit und seinen Werdegang als Dolmetscher.

Was ist die Generaldirektion Dolmetschen und das Programm Pedagogical Assistance (Pädagogische Unterstützung)?

G.D.: Die Generaldirektion Dolmetschen ist der Dienst der Europäischen Kommission, der für das Dolmetschen und die Organisation von Konferenzen zuständig ist. Sie verwaltet die Tagungsräume der Kommission, organisiert Konferenzen für Generaldirektionen und Dienststellen der Kommission und gewährleistet die mehrsprachige Kommunikation. Das Programm Pädagogische Unterstützung ist eine Maßnahme der GD Dolmetschen im Bereich der interkulturellen und mehrsprachigen Kommunikation in der Europäischen Union. Erfahrene Dolmetscher der GD Dolmetschen werden an Universitäten und Hochschulen vermittelt, die Studiengänge in Konferenzdolmetschen anbieten, um die Qualität der Ausbildung mit verschiedenen pädagogischen Mitteln zu erhöhen. Ein weiteres Ziel des Programms ist, den Aufbau entsprechender Ausbildungsmöglichkeiten für Konferenzdolmetscher auch in Ländern zu gewährleisten, die gerade Beitrittsverhandlungen führen, wie zum Beispiel Mazedonien. So wird sichergestellt, dass die benötigten Sprachmittler bereits zum Beitritt eines Landes zur EU zur Verfügung stehen.

Wie verlief Ihr bisheriger Werdegang?

G.D.: Die Ausbildung zum Konferenzdolmetscher habe ich 1991 am SDI abgeschlossen. Dann habe ich Politikwissenschaften und Sprachwissenschaften mit den Sprachen Spanisch und Französisch an der Universität Augsburg studiert. Nach dem Studium habe ich das Auswahlverfahren der Europäischen Kommission erfolgreich abgeschlossen und bin nun seit 16 Jahren dort tätig.

In und aus welchen Sprachen arbeiten Sie als Dolmetscher?

G.D.: Hauptsächlich ins Deutsche aus dem Englischen, Spanischen, Französischen, Italienischen, Niederländischen und Portugiesischen. Bald kommt auch das Griechische hinzu.

Wie kommt das? Und wie haben Sie Ihre weiteren Sprachen erlernt?

G.D.: Als Mitarbeiter der Europäischen Kommission hat man die Möglichkeit, an Halbtagssprachkursen zur Weiterbildung teilzunehmen. Diese Gelegenheit habe ich zum Erlernen des Griechischen in Anspruch genommen. Brüssel ist auch eine wundervolle Umgebung der Mehrsprachigkeit. In diesem mehrsprachigen Umfeld bietet es sich immer an, sich mit den Kollegen in ihrer jeweiligen Muttersprache zu unterhalten. Außerdem ist es möglich, Sprachreisen in Form von ehrenamtlichem Engagement bei Nichtregierungsorganisationen in verschiedene Ländern zu machen.

Wie halten Sie sich auf dem Laufenden in all diesen Sprachen?

G.D.: Heutzutage ist das mit dem Internet viel leichter als früher. Mit einem Klick kann man Nachrichten aus aller Welt abrufen und sich ganz einfach auf dem Laufenden halten. Der Urlaub bietet ebenfalls eine tolle Gelegenheit, die Sprachkenntnisse aufzufrischen oder zu vertiefen.

Wie hat sich Ihr Arbeitsumfeld als Dolmetscher im Laufe der Jahre verändert?

G.D.: Hauptsächlich haben wir im Bereich der Technik große Änderungen erlebt. Vor allem das Internet ist zum wichtigen Recherchetool geworden. Auf Konferenzen heute werden häufiger Videotechniken und Webcasting eingesetzt, was neue Anforderungen an die Dolmetscher stellt.

Welche Anregungen gibt es für die Ausbildung angehender Dolmetscher?

G.D.: Jedem angehenden Dolmetscher kann ich wirklich empfehlen, sich früh zu entscheiden, in welche Richtung man später gehen will. Entscheidet man sich für eine Tätigkeit am freien Markt, sollte man eine gute A-B-A-Sprachenkombination aufbauen. Dahingegen ist eine ACCC-Kombination mit gut ausgebauten C-Sprachen wichtiger für eine Laufbahn in einer großen Organisation wie der EU. Die gezielte Vorbereitung auf die spätere Karriere halte ich für sehr wichtig, weil die verschiedenen Dolmetschtätigkeiten unterschiedliche Anforderungen stellen.

Wie können sich angehende Übersetzer und Dolmetscher bei der Europäischen Kommission bewerben?

G.D.: Das Amt für Personalauswahl ist für das Auswahlverfahren verantwortlich. Alle Anforderungen an Kandidaten sind genau im Internet ausgeführt und alle Einstellungen erfolgen über das offizielle Auswahlverfahren.

Zum Schluss: Was sind für Sie - als SDI-Absolvent - die Eindrücke vom heutigen Institut? Wie finden Sie den neuen Campus?

G.D.: Obersendling ist ein ganz anderes Umfeld als die Amalienstraße. Dort war man direkt im Univiertel in der Stadt, das Lebensgefühl war wirklich etwas ganz anderes. Das neue Gebäude ist natürlich toll und die neue technische Ausstattung ist ein Vorzug. Andererseits ist die neue Lage besser für das Lernen, da es weniger Ablenkung gibt. Es gibt Vorteile und Nachteile, aber insgesamt ist der Süden von München auch sehr schön.

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aktualisiert am 20.01.2012
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